Bourgeois With Guitar

Woody Guthrie hatte in den 30er/40er-Jahren diesen berühmten Satz in dicken Lettern auf seiner Gitarre stehen: This Machine kills Fascists. Ein später Widergänger des notwendig radikalen US-Folksängers ist Kristof Schreuf. Der sang früher bei Kolossale Jugend, den Architekten der Hamburger Schule, und später bei der Band Brüllen. Danach sah man ihn manchmal nachts im Fernsehen, wo er in seltenen Popsendungen Genreklassiker zur Gitarre gab. Einmal las er gar beim Bachmannpreis in Klagenfurt. Letzteres lief ganz ohne Blutvergießen ab, und wer weiß, vielleicht wäre Schreuf sonst schon längst ein Star des Feuilletons. Auf ?Bourgeois With Guitar?, seinem ersten Soloalbum, tötet Schreuf keine Faschisten, er bettet lediglich alte Popsongs um. Und dabei kommen einige Musikknochen durcheinander. Die zwölf Lieder klingen bis auf das Titelstück allesamt merkwürdig vertraut: Namen flirren einem im Kopf rum: Christopher Cross, Rolling Stones, Donna Summer, The Who, Nick Straker Band, Eric Burdon, Neil Young, The Doors, Indeep, Television, Paul Simon, Judas Priest, Iggy Pop und natürlich AC/DC. Schreuf borgte sich Text und Melodiefragmente und fügte sie neu zusammen. So beginnt das Album mit ?My Generation? zur Melodie von ?Scarborough Fair?, dann folgt Iggy Pops ?Search & Destroy? zur Melodie von ?The End? der Doors. Was die Gema und die großen Verlage davon halten, möchten die Gema und die großen Verlage hoffentlich nie wissen. Alle anderen berauschen sich an der ungeahnter Musikalität des Verbalkünstlers, dessen Stimme stellenweise wie die von Tobias Levin klingt, der das Ganze als Krönung auch tatsächlich produziert hat. Chapeau!

Bürger mit Gitarre

Bürger mit ohne Gitarre

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